, Jacob Nadja

Traumadiagnostik: Warum der Kontext zählt

Traumafolgestörungen zeigen sich nicht bei allen Menschen auf die gleiche Weise. Wie Betroffene ihre Beschwerden erleben und ausdrücken, ist auch durch kulturelle Bedeutungen, soziale Normen und konkrete Lebensbedingungen geprägt. Bei geflüchteten Menschen können zusätzlich Belastungen wie unsicherer Aufenthaltsstatus, Trennung von der Familie, Diskriminierung oder Sprachbarrieren eine wichtige Rolle spielen. Solche Faktoren sollten deshalb in der Diagnostik stärker berücksichtigt werden.

In einer Studie wurde dazu ein Zusatzmodul zum International Trauma Interview entwickelt und erstmals erprobt: das sozio-kulturelle und strukturelle Addendum, kurz SCSA. Es unterstützt Fachpersonen dabei, Symptome nicht isoliert zu beurteilen, sondern im Lebenskontext der Betroffenen einzuordnen. Die ersten Erfahrungen aus der Entwicklungs- und Pilotphase legen nahe, dass eine solche kontextsensible Diagnostik das gegenseitige Verständnis fördern, das therapeutische Gespräch vertiefen und wichtige Hinweise für eine passendere Behandlung geben kann. In einem laufenden Forschungsprojekt wird nun systematisch geprüft, welchen diagnostischen Mehrwert dieses Zusatzmodul tatsächlich bietet.

Zum Artikel: https://doi.org/10.1016/j.ssmmh.2026.100658